Natternkopf

Hummel an Echium vulgare

Echium vulgare

Der heimische borstig behaarte Natternkopf zählt zu den Pionierpflanzen sandiger und steiniger Standorte, wo er – ausgestattet mit einer langen Pfahlwurzel – auch starke Trockenheit überstehen kann. Die meisten Pflanzen blühen im zweiten oder dritten Jahr und gehen nach der Blüte zugrunde, einige Exemplare kommen schon im ersten Jahr zur Blüte. Der Gemeine Natternkopf überwintert in Form einer wintergrünen Rosette. Echium vulgare Populationen umfassen stets solche Pflanzen, die rein weibliche Blüten und solche, die zwittrige Blüten bilden. Sehr gut entwickelte Exemplare können bis zu 20 Infloreszenzen ausbilden. Pro Infloreszenz sind immer nur einige Blüten aktiv. Dafür blüht der Natternkopf über einen langen Zeitraum.

An blühendem Natternkopf sammeln Bienen, Hummeln aber auch Schwebfliegen und Falter. Bienen und Hummeln lernen dabei die älteren rein blauen Blüten zu meiden und die jüngeren mehr oder weniger rosafarbenen Blüten zur Nektarernte anzusteuern; ältere Blüten sezernieren weniger bzw. keinen Nektar. Beobachtungen zeigen, dass die größte Frequenz beim Blütenbesuch am frühen Nachmittag erfolgt? – hierzu finden sich widersprüchliche Angaben.

Echium vulgare-Pollen weist mit 44,1% einen sehr hohen Proteingehalt auf, zugleich ist der Pollen reich an essentiellen Aminosäuren. Der Zuckergehalt des Nektars wird mit 688 ± 103μg angegeben (Hicks DM, Ouvrard P, Baldock KCR, Baude M, Goddard MA, Kunin WE, et al. (2016) Food for Pollinators: Quantifying the Nectar and Pollen Resources of Urban Flower Meadows. PLoS ONE 11(6): e0158117. doi:10.1371/journal.pone.0158117).

2020-04-09T08:34:45+02:00April 9th, 2020|Alle Beiträge, Insektengarten, Vagabunden im Garten|

Klatschmohn

Papaver rhoeas
Papaver rhoeas

Papaver rhoeas

Klatschmohn Papaver rhoeas und Shirley Poppies

Klatschmohn Papaver rhoeas gilt in Europa und den Britischen Inseln als heimische Wildpflanze. Er zählt zu den winterharten Einjährigen, d.h. Jungpflanzen erscheinen oft vor oder im Verlauf des Winters. Nach der Blüte sterben die Pflanzen ab. Klatschmohn erhält sich im Garten durch Selbstaussaat und wird zum Vagabunden, der immer dort aufläuft, wo der Boden frisch bearbeitet und offen ist.

In England ist der Klatschmohn als ‘Remembrance poppy’ bekannt. Er erinnert mit seiner Blüte an die Gefallenen der Weltkriege. Klatschmohnsaat kann viele Jahrzehnte im Boden überdauern ohne an Keimfähigkeit zu verlieren. So blühte Klatschmohn nach den Weltkriegen auf den Schlachtfeldern dort, wo durch die Kriegseinwirkung offene Bodenflächen entstanden und Klatschmohnsamen an die Bodenoberfläche gelangt waren.

Klatschmohn blüht rot. Die meisten Insekten und dazu zählen die Honigbienen, Wildbienen und Hummeln können die Farbe Rot nicht wahrnehmen. Rot erscheint ihnen schwarz.

Trotzdem finden sie den Klatschmohn zuverlässig und sammeln mit viel Gebrumm den Pollen. Wie ist das möglich?

Der Klatschmohn bedient sich einer Farbigkeit, um Insekten anzulocken, die wir Menschen nicht wahrnehmen können. Klatschmohnblüten reflektieren UV-Licht, das wiederum Honigbienen & Co. sehen (vgl. Kugler, Hans: UV-Musterungen bei Alpenblumen. München – https://www.zobodat.at/pdf/Jb-Verein-Schutz-Alpenpfl-Tiere_36_1971_0061-0065.pdf). Die Klatschmohnblüte ist für uns Menschen rot, für die Bienen und Hummeln UV-farbig.

Klatschmohnblüten enthalten keinen Nektar.

Shirley Poppy

In den 1880er Jahren entdeckte der Vikar William Wilks in seinem Garten in Shirley nahe Croydon in Surrey einen einzelnen Klatschmohn, dessen Blütenblätter einen feinen weißen Rand aufwiesen. Aus der Saat dieser einen Pflanze las er in den folgenden 20 Jahren eine Klatschmohnsorte aus, die stets ungefüllte, an ihrer Basis rein weiße Blüten hat. Die Staubgefäße, Pollen und Antheren sind gelb oder weiß. Keine Blüte weist schwarze Anteile auf. Die Blütenblätter spielen von zartem Weiß über viele Rosa-Töne bis zum reinen Klatschmohn-Rot.

Die bei uns erhältliche Saat entspricht nicht mehr dieser ursprünglichen Auslese. Unser Shirley-Single-Saatgut umfasst auch solche Blütentypen, die schwarze Anteile aufweisen. Wer möchte kann sich aber auf der Basis dieses Saatgutes wiederum an die Auslese-Arbeit machen. In jedem Fall sollte man diejenigen Pflanzen, die in ihrer Farbigkeit nicht gefallen, konsequent entfernen.

2020-04-04T12:11:11+02:00März 29th, 2020|Alle Beiträge, Insektengarten, Vagabunden im Garten|

Stinkender Storchschnabel

Stinkender Storchschnabel

Geranium robertianum

Auch als Ruprechtskraut ist diese schattenverträgliche winterharte Einjährige oder auch zweijährige Pflanze bekannt.

Vom Frühjahr bis fast in den Winter hinein gibt es an den kleinen rosafarbenen oder weißen Blüten Nektar und Pollen für Wildbienen. Stört der Stinkende Storchschnabel einmal tatsächlich, weil er zarte Frühblüher in den Schatten stellt oder den jungen Keimpflanzen das Licht nimmt, lässt er sich leicht durch Jäten entfernen, quittiert den eigenen Abgang allerdings mit einem eher unangenehmen Dufterlebnis. Verantwortlich dafür sollen die enthaltenen ätherischen Öle sein, die der Pflanze vermutlich als Fraßschutz dienen.

Stehen Stinkende Storchschnäbel in der Sonne, bilden sie Schutzpigmente und färben sich dunkelrot. Auf keinen Fall sollte man auf die leuchtende Herbstfärbung von Herb Robert verzichten. Die leuchtend roten Blätter lassen sich hervorragend für Bastelarbeiten pressen.

Der Stinkende Robert kann seine Blätter bzw. Blattstiele nutzen, um an schwierigsten Standorten aufrecht zu bleiben oder aber in andere Pflanzen zu klettern oder sich darin abzustützen. Seine Früchte sind typische Storchschnabelfrüchte. Die reifen Samen werden bei trockenem Wetter katapultartig verbreitet.

Chinesische Hundszunge

Cynoglossum amabile mit Hummel

Cynoglossum amabile

Cynoglossum amabile Chinesische Hundszunge und Bombus pascuorum Ackerhummel

Auf den ersten Blick erinnert die Chinesische Hundszunge an ein Vergissmeinnicht. Die Verwandtschaft stimmt. Beide gehören zu den Borretschgewächsen Boraginaceae.

Cynoglossum amabile stammt aus China und Bhutan. Diese leicht zu kultivierende und meist als Einjährige gezogene Pflanze ist in den letzten Jahren in Form von Saatgut in europäische Gärten eingezogen. Üppig blühende Tuffs locken allerlei Insekten und Fotografen.

Schneidet man die Pflanzen nach der Blüte bis auf das Laub zurück, erfolgt eine Nachblüte. Auf diese Weise soll es auch gelingen Pflanzen über den Winter zu bringen. Die Frosthärte wird mit -18°C angegeben. Im eigenen Garten durften die ersten Pflanzen ihre Saat bilden, die wir dieses Jahr wieder aussäen werden.

Die Klausenfrüchte sind sehr anhänglich. Durch Klettverbreitung erobert diese Art offenbar leicht auch neue Standorte – in Nord- und Süd-Amerika, Neuseeland und auch in Afrika wird sie als Neophyt eingestuft.

Hummeln besuchen gerne Borretschgewächse wie die Hundszungen Cynoglossum, Borretsch Borago officinalis, Natternkopf Echium, Beinwell Symphytum und Bienenfreund Phacelia. Sie alle haben einen hohen Nektargehalt und eine lange Blütezeit. Ackerhummeln Bombus pascuorum zählen zu den langrüsseligen Hummeln. Ihnen gelingt es auch an tiefer in den Blüten verborgenen Nektar zu gelangen.