Perlhyazinthen

Hummelschweber an Muscari latifolium
Anthophora plumipes an Muscari latifolium

Muscari

Dem Duft nach Moschus verdankt diese etwa 30 Arten umfassende Gattung ihren wissenschaftlichen Namen, deren Vertreter aus der Mittelmeerregion und dem westlichen Asien stammen. Den deutschen Namen tragen sie gleichsam den aus kugeligen Blüten zusammengesetzten Blütenstand beschreibend. Bei genauerer Betrachtung entpuppen sich die Einzelblüten überwiegend als winzige, nach unten offene Ballone, deren zusammengezogene Öffnung oft gerüscht und farblich gegen den Rest der Blüte abgesetzt erscheint. Blautöne überwiegen in dieser Gattung.

Traubenhyazinthen erfreuen bei sorgfältiger Zusammenstellung unterschiedlicher Arten und Sorten über einen sehr langen Zeitraum hinweg nicht nur den Gärtner, sondern auch alle möglichen Nektar und Pollen sammelnden Insekten im Garten. Die frühesten blühen, wenn die fliegenden Hummelköniginnen, Wildbienen und Hummelschweber, aber auch Falter noch wenig Nahrung im Garten und auch der freien Natur finden.

Muscari haben bei vielen Gärtnerinnen und Gärtnern einen schlechten Ruf, weil sie einen starken Ausbreitungdrang und noch dazu sehr üppiges, wenig attraktives Laub haben. Dies gilt jedoch vor allem für die Wildart Muscari armeniacum. Durch die züchterischen Bemühungen vor allem der holländischen Blumenzwiebelproduzenten sind wunderschöne Sorten im Handel, die weniger dominantes Laub und größere Blüten besitzen und sich weit weniger stark versamen. Im Keukenhof – der ja in diesem Jahr (2020) leider geschlossen bleibt, kann man neue Züchtungen und alte Favoriten anschauen. Besonders beeindruckend sind dort die aus Perlhyazinthen gepflanzten “Flüsse”.

Auch gibt es immer wieder interessante Wildarten zu kaufen, wie zum Beispiel das tiefdunkelblau blühende Muscari latifolium oder das besonders pudrig duftene Muscari pallens. Dies hat einen Platz in einem kleinen Topf verdient, der im Frühling auf dem Gartentisch stehen darf, so dass man den Duft genießen kann, ohne auf die Knie zu gehen!

Jedes Jahr wieder staunt man über die Hummelschweber oder Wollschweber (= Bombylius). Sehr oft sieht man die flitzenden Insekten an den Traubenhyazinthen, die ihren langen Rüssel komfortabel in die Einzelblüten einführen können – auch bei Wind, denn Muscaristängel stehen aufrecht und schwanken nicht. Den zu den Fliegen zählenden Hummelschwebern kommt die niedrige Zuckerkonzentration im Nektar der Traubenhyazinthen entgegen, denn dieser dünnflüssige Nektar verklebt den langen Rüssel nicht.

Wollschweber zählen zu den Parasitoiden. Ihre Larven entwickeln sich in Nestern von Wildbienen, aber auch Eulenfaltern. Die Eier wirft der weibliche Wollschweber in den Eingang oder in der Nähe des Eingangs zu den Brutzellen der Wildbienen oder Eulenfalter ab. Zum Schutz ihres Nachwuchses benetzt das Weibchen die Eier bei der Ablage mit feinem Sand, den sie durch gezielte tupfende Landungen an sandigen Stellen in ihrer Behaarung sammelt. Die Larven der Wollschweber ernähren sich zunächst von den Vorräten, später von den Larven der Wirtsarten.

2020-04-15T09:51:47+02:00April 9th, 2020|Alle Beiträge, Das Zwiebeljahr, Insektengarten|

Breeder Tulpen

Breeder-Tulpen

Breeder Tulpen

Als Breeder-Tulpen bezeichnet man alte Sorten, die vom 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts kultiviert wurden. Daraus entstanden spontan gebrochene bzw. Rembrandt-Tulpen. Heute wissen wir, dass unterschiedliche Viren die begehrten Farbveränderungen hervorrufen.

Da die Virusinfektion die befallenen Tulpen schwächt (wenn sie nicht sogar daran zugrunde gehen), waren die extrem gesunden, wüchsigen und oft riesigen Breeder-Tulpen eine gute Ausgangsbasis.

Zu den Breeder-Tulpen zählen die 1899 von der Firma Krelage eingeführten und in Absprache mit der Familie Darwin benannten Darwin-Tulpen (nicht zu verwechseln mit den Darwin-Hybriden). Da E. H. Krelage als Ausgangsmaterial für seine Darwin-Tulpen nur solche Tulpen mit weißer Grundfarbe ausgewählt und auch für Kreuzungen keine Tulpen mit gelber Grundfarbe eingesetzt hat, fallen alle Darwin-Tulpen in Rosa und Purpur-Tönen, der Grund der Blüte kann irgendwo zwischen tiefdunkelblau und weiß liegen.

Tulipa ‘Dream’ (syn. ‘Reve de Jeunesse’) ist eine solche Darwin-Tulpe. Wuchshöhe 55cm und die Blüte mit beinahe eckigem Längsschnitt, die für Darwin-Tulpen typisch ist.

Ebenfalls zu den Breeder-Tulpen zählen die Dutch Florists Tulips. Zu dieser Gruppe zählt Tulipa ‘Je Maintiendrai’ (syn.: Sentinel), die vor 1863 entstanden ist. Amaranth-purpurfarben mit gelbem klar begrenztem kleinem Blütenzentrum.

Tulipa ‘Feu Ardent’ wurde zuerst im Jahr 1906 angeboten, ist aber eigentlich viel älter und wurde 1863 als eine von 400 Breeder-Tulpen aus der großartigen Sammlung von Vincent van der Vinne, einem Blumenzwiebelhändler aus Haarlem, verauktioniert. Reiche braunrote Farbtöne auf gelbem Grund, spätblühend. (vgl. https://oldhousegardens.com).

Die Fotos für diese Karten entstanden im Hortus Bulborum in Limmen. Der Hortus ist ein Museum voller Pflanzen – alte Tulpensorten, historische Narzissen, seltene Fritillarien und Hyazinthen sind in Schaubeeten aufgepflanzt. Neben einer Fülle von Breeder Tulpen finden sich hier auch die einzigen “echten” Rembrandt-Tulpen. Man kann den Hortus Bulborum im Frühjahr besuchen. Ein Teil der dort erhaltenen Zwiebelblüher werden auch zum Verkauf angeboten (zum Versand im Herbst).

2020-04-04T11:46:34+02:00April 4th, 2020|Alle Beiträge, Das Zwiebeljahr, Unsere Kartenmotive|

‘Firebird’

Postkarte 'Narcissus 'Firebird''

Narcissus ‘Firebird’

Züchterin dieser vor 1940 registrierten kleinkronigen Narzissensorte mit kurzem, leuchtend orangerotem Krönchen und propellerartig gedrehten weißen Blütenblättern war Mrs F. Stuart Foote. 1931 hat Rev. G. H. Engleheart (England) ihr zu Ehren Narcissus ‘Florence Edna Foote’ benannt, eine großkronige und weißblütige Sorte.

Mrs F. Stuart Foote (Edna Florence Zorns Foote 1876-1955) war die Ehefrau des in Michigan ansässigen Gründers der American Imperial Furniture Company in Grand Rapids. Frank Stuart Foote (1872-1954) wird nachgesagt, Erfinder des ‘Coffee Tables’ zu sein – als er seiner Gemahlin bei der Vorbereitung einer Party half, indem er kurzerhand einen normalen Tisch durch Absägen der Beine tiefergelegt habe (https://www.antiquetrader.com/furniture/enjoy-your-high-spirits-on-a-low-table).

Florence Edna Foote war Narzissen-Züchterin und gab einen von einer Preisliste begleiteten Katalog ihrer Sorten heraus. Im Daffodil Yearbook 1935 (s.u.) inseriert sie:

World’s Choicest Daffodils

Guaranteed Quality Bulbs

MRS. F. STUART FOOTE

Daffodil Specialist

Grand Rapids

Michigan

Sie schrieb verschiedene Artikel über Narzissen, in denen sie sehr charmant auf ihre eigene Fachkenntnis aufmerksam macht.

“When I was introduced to a certain landscape architect, as a “daffodil-specialist,” he said, “Oh, but daffodils don’t do well in Michigan !” I said, “Have you ever tried to grow them well in your Michigan garden?” And he confessed, “No, but I have been told that our winters are too severe.” Many statements just as silly and false are made by so-called garden authorities (some even dare to write books) who are too much inclined to accept hearsay for fact or are too lazy to do the actual experimental work upon which to base truthful statements”. Daffodil Yearbook 1935 (herausgegeben von der American Horticultural Society: FLORENCE EDNA FOOTE (1935): A Daffodil Parade in Michigan. S. 64).

Als Mrs. F. Stuart Foote gehörte sie 1935 dem Narcissus and Tulip Commitee der American Horticultural Society an.

Das Foto dieser im Handel nicht mehr erhältlichen Narzisse entstand im Hortus Bulborum in Limmen, wo es neben 2700 Tulpensorten auch eine riesige Anzahl historischer Narzissensorten zu bestaunen gibt.

2020-04-04T12:10:46+02:00März 31st, 2020|Alle Beiträge, Das Zwiebeljahr, Unsere Kartenmotive|

Damentulpe

Tulipa clusiana

Tulipa clusiana

Die Damentulpe Tulipa clusiana, die im Blumenzwiebelhandel angeboten wird, zählt zu den Wildarten. An ihren Wildstandorten im Iran, im Nordosten Pakistans und bis in den Himalaja hinein, blühen die Damentulpen in unterschiedlichen Farbvarianten, wie es für viele Tulpenwildarten beschrieben wird. Bei der Damentulpe sind das vor allen Dingen Varietäten in weiß und gelb mit der charakteristisch rot überlaufenen Außenseite. So erstaunt es nicht, dass auch die für die Gartenkultur ausgelesenen Varietäten und Sorten dieses Farbspektrum abdecken:

Tulipa clusiana (1802, tief violettes Blütenzentrum)
Tulipa clusiana ‘Peppermintstick’ (1998, violettes Blütenzentrum innen)
Tulipa clusiana ‘Lady Jane’ (1992 W. van Lierop & Zn. B.V., weiß, Blütenzentrum innen gelb)
Tulipa clusiana ‘Chitral Vale’ (auffallend große Auslese aus dem Chitral-Tal in Pakistan, weiß mit violettem Zentrum)
Tulipa clusiana var. cashmeriana
Tulipa clusiana var. stellata (1827, mit weißer Grundfarbe)
Tulipa clusiana var. chrysantha (die gelbe Wildform)
Tulipa clusiana ‘Cynthia’ (1959 Van Tubergen, durch Kreuzung der weißen und der gelben Form entstanden, Farbe hellgelb)
Tulipa clusiana ‘Sheila’ (bronzegelb mit rot)
Tulipa clusiana ‘Tinka’ (hellgelb mit rot)
Tulipa clusiana ‘Tubergen’s Gem’ (1969, goldgelb mit rot) mit gelber Grundfarbe.

Damentulpen werden zwischen 25 und 30cm hoch. Sie wirken im Vergleich zu anderen Tulpen stets zierlich und elegant. Bei Sonne öffnen sich die Blüten sternförmig. Die kleinen Zwiebeln sind von einer lederharten Schutzhülle umgeben.

Eine wichtige Rolle in der Einführung der Tulpe in die europäische Gartenkultur spielte Carolus Clusius oder Charles de l’Ecluse (1526 – 1609). Er wirkte in Leiden, Wien, Frankfurt, erforschte die Pflanzenwelt Spaniens und Portugals und besaß Kontakte nach Konstantinopel, England und zu einer Vielzahl einflussreicher Persönlichkeiten auf die Gartenkultur seiner Zeit. Und Clusius liebte Tulpen und Gärten und er kannte sich mit Pflanzen aus! Ihm zu Ehren trägt die Damentulpe Tulipa clusiana seinen Namen in der wissenschaftlichen Artbezeichnung.

 

 

 

 

2020-04-04T12:12:49+02:00März 29th, 2020|Alle Beiträge, Das Zwiebeljahr, Unsere Kartenmotive|

Honiglauch

Honiglauch

Nectaroscordum siculum

Manchmal gibt es Pflanzen, die einem unverhofft im hintersten Winkel eines Gartens begegnen, vielleicht in einem Zustand, der sich einstellt, wenn man den ganzen Tag mit der Kamera in schönen Gärten unterwegs war und das Notizbuch Seite um Seite mit Pflanzennamen gefüllt hat. Müde, zufrieden und leicht entrückt, dringend auf einen guten Tee und bald dann auch auf eine handfeste Mahlzeit hoffend. So erging es der Autorin im Chelsea Physic Garden im Zentrum Londons, einer Oase der Pflanzensammelleidenschaft. In einem eher ungepflegten Beet, kurz bevor es zum Fotografieren viel zu dunkel wurde, im hintersten Winkel dieses Gartens stand ein Honiglauch in voller Blüte, erleuchtet von den letzten Sonnenstrahlen. Noch nie gesehen, namenlos und in seiner Vollkommenheit sofort ins Herz geschlossen.

Erst mindestens 2 Jahre später bekam der Zauberhafte einen Namen, zufällig, beim Durchblättern eines Buches.

Bald darauf konnten die ersten Zwiebeln im eigenen Garten gepflanzt werden. Im folgenden Frühjahr dann vertiefte sich der Zauber, der von diesem Gewächs ausgeht noch, bei der Beobachtung ersten Blütentriebe von der Knospe bis zur Frucht. Schon die Knospen sind schön – ihr Öffnen kommt einem kleinen Galaauftritt gleich. Die in der Knospe aufrecht weisenden Blütenknospen fallen nach und nach aus der gemeinsamen Hülle und öffnen sich zu hängenden Blüten in Farben, die man ganz sicher nicht als auffällig bezeichnen kann. Grundton ist ein Beige, der Blütengrund außen oft grünlich, das ganze überhaucht mit zartem Weinrot. Jede der Blüten ist innen am Grunde deutlich weinrot gefärbt, schon ein Blick in die hängenden Blüten verrät eine enorme Nektarproduktion, von der auch der Name Honiglauch erzählt.

Die an 50 -120cm langen und stabilen Stängeln hängenden Glöckchen sind dann auch bald von Insekten, vor allem Bienen, Hummeln und Wespen, umschwirrt, die die Blüten des unbekannten Gewächses bedienen. Wie ein Ballett mutet es an, wenn die Insekten nacheinander mehrere Blüten besuchen und sich nach jedem Besuch einfach aus der Blüte fallen lassen, um dann die nächste anzusteuern.

Und dann folgt leider auch schon zu bald der dritte Akt des zauberhaften Auftritts. Aus den Blüten werden Früchte, die sich kleinen Pagoden ähnelnd an ihren ungleich langen Stielen aufrichten und einen je nach Witterung lange haltbaren, hell strohfarbenen Fruchtstand bilden, der den Garten lange zieren oder aber in ein Trockengesteck oder einen Strauß integriert werden kann.

Das Laub dieses Lauchgewächses ist spannend dreiflügelig im Querschnitt, blaugrün und bei nicht sehr dichten Beständen irgendwie unbedeutend, auf jeden Fall nicht störend. In einigen Gärten im Süden Englands soll der Honiglauch auf sonnigen und gut drainierten Böden zu invasiver Selbstaussaat neigen – je nach Herkunft der Zwiebeln scheint es aber überwiegend Pflanzen zu geben, die steril sind und gar keine Saat bilden. Hier hilft dann nur lange warten auf die langsame vegetative Vermehrung über Zwiebelteilung oder Nachpflanzen immer neuer Zwiebeln, die meist zumindest im Vergleich mit den großen Paukenschlägerlauchen recht günstig gehandelt werden, was sicher auch mit ihrer geringen, man könnten beinahe sagen, erstaunlich geringen Größe zusammenhängt.

Wer ihn liebt, der setzt Zwiebeln auch einmal an ungewöhnlicher Stelle ein, z.B. zwischen Hasenglöckchen im Halbschatten oder zwischen Hostas in ein Beet, das so gar nicht als sonnig und warm bezeichnet werden kann. Offenbar ist dieser Lauch, zumindest manchmal, erstaunlich anpassungsfähig. Und Einzelzwiebeln, wie die ‚Erstentdeckte’ im Chelsea Physic Garden blühen auch an scheinbar ungünstigen Standorten über viele Jahre hinweg.

2020-04-04T12:19:47+02:00März 24th, 2020|Alle Beiträge,