Duftwicken II

Lathyrus odoratus 'Erewhon'

Lathyrus odoratus ‘Erewhon’

Die Duftwicke Lathyrus odoratus gehört zur Gattung der Platterbsen Lathyrus. Sie kommt auf Sizilien und in Süditalien wild vor, und hat von dort aus via England auch unsere Gärten erobert. Duftwicken sind einjährige Kletterpflanzen. Sie gehören zu den winterharten Einjährigen – wenn man sie lässt, dann können sie sich im Spätsommer aussäen und meist sind es dann sogar kleine Jungpflanzen, die den Winter überdauern, um schließlich im Frühjahr ihr Wachstum wieder aufzunehmen und meist früher als die im Frühjahr gezogenen Duftwicken zur Blüte zu kommen. In manchen Jahren ist der winterliche Frost zu hart oder Spätfrost zerstört die schon weit fortgeschrittenen Triebe. Auch Schnecken können – vor allem bei leicht angeschlagenen Pflanzen – zu einem Problem werden.

Lathyrus odoratus 'Mrs Collier'

Blüte von Lathyrus odoratus ‘Mrs Collier’

Duftwicken sind Schmetterlingsblütler: Ihre Blüte besteht aus einem nach oben weisenden und sich breit öffnenden Kronblatt, das als Fahne bezeichnet wird. Die weiteren vier Kronblätter breiten sich nicht aus und verharren in der Knospenlage. Zwei sind miteinander zum sogenannten Schiffchen verbunden. Die beiden seitlichen Kronblätter (= Flügel) liegen dem Schiffchen eng an. Die Fahne kann, wie bei der Wildart, auch bei vielen Sorten eine andere Farbe als die restlichen Blütenblätter aufweisen.

… und Duftwicken sind Hülsenfrüchtler: Die Frucht aller Schmetterlingsblütler besteht aus nur einem Fruchtblatt und wird als Hülse bezeichnet. Bei der Duftwicke sind die unreifen und grünen, mehrsamigen Hülsen dicht behaart. Bei Reife trocknet die Fruchtwand ein und gerät unter Spannung. Bei trockenem Wetter schließlich springt die Hülse auf. Manchmal werden die Samen dabei sogar weggeschleudert. Duftwickensamen sind mehr oder weniger kugelförmig. Reifen sie unter sehr trockenen und heißen Bedingungen heran, tritt oft ein Phänomen auf, das als Hartschaligkeit bezeichnet wird. Hartschalige Samen keimen langsam, weil ihre Samenschale nur eine sehr langsame Wasseraufnahme zulässt. Damit wird die Keimung verzögert. Bei der Aussaat hartschaliger Samen ist etwas mehr Geduld gefragt; diese müssen auf jeden Fall eingeweicht werden (s.u.)!

Lathyrus odoratus gekeimt

Gekeimte Duftwickensamen, ca 10 Tage nach Aussaat

Die Aussaat von Duftwicken gelingt folgendermaßen am besten:
1. Die Samen sollten unbedingt eingeweicht werden. Man kann sie in einem Gläschen mit Wasser einweichen (das Wasser täglich wechseln!) oder – das ist unsere favorisierte Methode – zwischen einige Lagen nassen Küchenkrepps auf einen Teller legen und an einem nicht zu kühlen Ort aufstellen.

2. Das Krepp sollte immer schön feucht gehalten werden. Die meisten Duftwickensamen werden so innerhalb von 2 bis 7 Tagen keimen, bei hartschaligen Sorten (s.o.) kann es auch schon mal zwei Wochen dauern. Es ist ganz wichtig, dass die Samen während dieser Zeit nie austrocknen!

3. Sobald Wurzelspitzen zu sehen sind, können die Wicken in die Erde – je nach Jahreszeit entweder direkt ins Freiland oder in Töpfe, die dann an einem geschützten Platz (Südwand, Gewächshaus) stehen können, bis es ganz nach draußen geht.

Bei dieser Methode hat man seine Wickensamen stets im Blick. Wenn man sie uneingeweicht direkt in den Boden legt, dauert es eventuell zu lang bis zur Keimung (weil es zu kalt oder zu trocken ist), so dass die Samen faulen. Oder sie werden von Mäusen oder Tauben gefressen, die sich immer über einen so leckeren Happen freuen. Die Voranzucht zwischen Küchenkrepp gelingt jedoch praktisch immer.

Die Duftwicke bildet nach ihrer Keimung zunächst ein umfangreiches und tief in den Boden reichendes Wurzelsystem. Erst dann wachsen die oberirdischen Triebe rasch heran, wobei sich die Pflanzen vor allem mit ihren Blattranken an anderen Pflanzen aber auch Rankgerüsten oder Zäunen festhalten können und müssen. Als echte Kletterpflanzen verzichten Duftwicken auf tragende Strukturen. Ohne Halt würden sie unter ihrem Eigengewicht zusammenbrechen.

Lathyrus odoratus-Sorten sind auch bei gleichzeitiger Kultur unterschiedlicher Sorten im Garten beinahe rein zu erhalten, weil die Blüten schon bestäubt sind, wenn sie sich öffnen und Insekten durch sie angelockt werden. Wer Sorten kreuzen möchte, der muss sich noch ungeöffnete Blüten vornehmen!

Duftwicken blühen länger, wenn Blütentriebe für die Vase oder zumindest Verblühtes sehr regelmäßig entfernt wird. Werden die ersten Samen reif, dann lässt die Ausbildung neuer Blütentriebe deutlich nach.

2016-11-18T10:58:19+00:00 März 24th, 2016|Alle Beiträge, Duftwicken|