Duftwicken I

Duftwicken

Lathyrus odoratus ‘Memories’ und ‘Gwendoline’ (Spencer-Gruppe)

Duftwicken – Lathyrus odoratus

Aus: Flora. Der Duft der Ferne (2004) Brent Elliott. Federking & Thaler:

„1699 gelangten die ersten Duftwicken nach England, indem der Geistliche Francisco Cupani Samen an den Schulmeister und Pflanzenliebhaber Robert Uvedale schickte.“

Die Wildform von Lathyrus odoratus

Die Wildform von Lathyrus odoratus

Nach Francisco Cupani ist die Sorte ‘Cupani’ benannt, die heute noch im Handel ist und der Wildform der Duftwicke am nächsten kommt. Duftwicken, die heute unter der Bezeichnung ‘Cupani Original’ angeboten werden, entsprechen wohl am ehesten dem ursprünglichen Typ. Sie haben deutlich kleinere Blüten, es werden nur zwei Blüten pro Infloreszenz ausgebildet. Die Blüten duften sehr stark.

Sehr ähnlich gefärbt ist die populäre Sorte ‘Matucana’, die aber viele Merkmale einer modernen Grandiflora-Sorte zeigt (große Blüten, oft 4 Blüten pro Infloreszenz). ‘Matucana’  geht auf Aufsammlungen von S. C. Harland aus Süd-Amerika zurück.

Oft wurden bald natürlich entstehende Varietäten gefunden, die meist als etwas Besonderes gehandelt und erhalten wurden. So sind vermutlich die Abbildungen von Spielarten zu deuten, die Pierre-Joseph Redouté für ein 1827 herausgegebenes Werk anfertigte (Abb. In Flora. Siehe oben).

Lathyrus odoratus 'Prince Edward of York'

Lathyrus odoratus ‘Prince Edward of York’

Zwischen 1870 und 1880 begann Henry Eckford (1823-1905) durch Kreuzung und Auslese mehrere 100 Sorten zu schaffen – noch heute sind z.B. die von ihm benannten Sorten ‘Dorothy Eckford’  (nach seiner Tochter,  1903), ‘Black Knight’ (1898), ‘Henry Eckford’ (1906), ‘Annie Gilroy’ (1909) und ‘Prince Edward of York’ (1897) im Handel.

Eckford war zunächst angestellt beim Earl of Radnor, bei dem er sich vor allem mit Pelargonien, Verbenen und Dahlien befasste. 1883 erhielt Eckford einen 1. Preis von der Royal Horticultural Society für seine Duftwicke ‘Bronze Prince’. 1888 (65jährig) gründete er seine eigene Gärtnerei in Wem/ Shropshire und konzentrierte sich fortan auf die Züchtung neuer Duftwickensorten. Aus seinen Züchtungen entstand die Gruppe der “Grandiflora”-Wicken ( die uns heute  gar nicht so großblütig erscheinen, wie der Name es vermuten lässt). Zu Eckfords Zeiten waren dies die großblütigsten Duftwicken, die man erwerben konnte; sie haben eher kurze Stängel mit drei oder vier Blüten pro Stängel, meist einen wunderbar üppigen Duft, und viel nostalgischen Charme.

Silas Cole, Head Gardener beim fünften Earl of Spencer, liebte die Duftwicken Eckfords und begann 1898 in Althorp, dem Landsitz der Spencers, selbst Wicken zu züchten. Schon 1900 entdeckte er unter seinen Kreuzungen eine vielversprechende Sorte mit großen, üppigen Blüten an langen, kräftigen Stängeln. In der ersten Saison konnte er nur fünf Korn davon ernten, von denen drei im folgenden Frühjahr nach der Aussaat von Mäusen gefressen wurden. Aber im folgenden Sommer gelang es ihm, mehr Saat zu ernten, und er stellte diese Sorte, die er ‘Countess Spencer’ nannte, im Jahr darauf zum ersten Mal aus. Zur gleichen Zeit entdeckte James Unwin, der Duftwicken als Schnittblumen produzierte, eine Wicke mit ähnlich gerüschten Blüten, die er unter dem Namen ‘Gladys Unwin’ auf den Markt brachte. James Unwin begründete mit dieser neuen Wickensorte seinen Saatguthandel; Silas Cole’s ‘Countess Spencer’ gab der neuen Gruppe großblütiger Duftwicken den Namen. Spencer-Duftwicken waren sehr schnell sehr erfolgreich bei den britischen Shows – ihre prächtigen Blüten auf den langen Stängeln begeisterten nicht nur die Preisrichter, sondern auch das Publikum. Viele der Sorten werden heute noch gehandelt; durch ihre üppigen, großen Blüten auf langen Stängel eignen sie sich besonders gut für die Vase. Das Bild ganz oben im Beitrag zeigt die Spencer-Sorten ‘Gwendoline’ und ‘Memories’.

1901 gründete sich die (heute noch existierende) ‚Sweet Pea Society’, die sich ausschließlich mit Duftwicken befasste; diese gehörten inzwischen zu den beliebtesten Gartenblumen. Von den damals populären Züchtungen existieren heute nur noch wenige; die Auswahl der im Handel befindlichen Sorten ist dennoch riesig. Es gibt großblütige und zierliche Duftwicken in Unitönen, die zweifarbigen Bicolors, Picotee-Duftwicken mit zart farbigem Rand auf heller Blüte und die extravaganten “Ripple”-Sorten, die gefleckt oder gestreift sind. Das Farbspektrum reicht von Weiß und Creme über zarteste Pastelltöne in Blau, Rosè und Violett, über leuchtendes Orange, Lila und Magenta bis hin zu dunklem Weinrot, Marineblau und fast schwarz anmutenden Blüten. Einzig das ersehnte Gelb fehlte bisher im Farbspektrum. Bisher!

Lathyrus belinensis 'Goldmine'

Lathyrus belinensis ‘Goldmine’

Im Jahr 1987 wurde in der Türkei eine neue Lathyrus-Art entdeckt: Lathyrus belinensis blüht in leuchtendem Gelb und Kupferorange. Der orangefarbene Teil der zierlichen, zweifarbigen Blüten ist außerdem gestreift. Durch Einkreuzen von Lathyrus belinensis entstanden die relativ neuen Reverse-Bicolor-Duftwicken, zu denen die spektakuläre wie ungewöhnliche Sorte ‘Erewhon’ zählt sowie Color-Shifters wie ‘Turquoise Lagoon’. Beide stammen aus der Zucht des Neuseeländers Keith Hammett. Kennzeichen der Reverse-Bicolor-Duftwicken sind hell gefärbte Fahnen und dunkler gefärbte Flügel. Color-Shifters zeichnen sich durch einen sehr starken Farbwechsel in der Blüte aus. Keith Hammett ist es außerdem gelungen, eine Duftwicke zu züchten, deren Blüten einen definitiven Gelbton enthalten; seine neue Sorte ‘Spanish Dancer’ ist eine Bicolor mit hinreißenden, rosa und zartgelb gefärbten Blüten.

Viele der heute im Handel erhältlichen Duftwicken werden der Gruppe der Modern Grandiflora Duftwicken zugeordnet; sie vereinen die besten Eigenschaften der Spencer-Wicken (lange Stängel, große, oft gerüschte, zahlreiche Blüten) mit dem wohl wichtigsten Merkmal der historischen Wickensorten: dem wunderbaren, betörenden Duft.

2016-11-17T19:57:43+00:00 März 14th, 2016|Alle Beiträge, Duftwicken|